On Tour: beBETA

Berlin. 5. und 6. Juni. Über 30 Grad Hitze und auf der Suche nach dem Vollgutlager in der Rollbergstraße mitten in Neukölln, wo das wahre Leben tobt. Der Weg zu beBETA und das Gebäude erinnern ein wenig an die Wirkungsstätten von Underground-Bands, die Beachflags und die Lounge sind jedoch eindeutige Zeichen, dass man hier durchaus richtig ist – und der BDZV mit seinem Neuanfang von „Zeitung Digital“ radikal ernst macht.

 

Innen zeigt sich den Besuchern das gleiche Bild zwischen Bunkercharme und einem Saal, der jedem Zugang und Sicht bietet. Gefällt oder gefällt nicht? Auf den ersten Blick ist das Ambiente ebenso ungewohnt wie der neue Name. Entscheidend ist der Inhalt. 

Hier hat der BDZV illustre Namen ins Spiel gebracht. Einige davon, dies soll ausdrücklich kein Ranking der Relevanz sein, haben wir zitiert. 
Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, etwa, der vor dem interessierten Fachpublikum leider eine seiner Standardpräsentationen unter dem Motto „Game Changer Digitalisierung“ hält. „Das Auto ist ein Ort für Entertainment“ mag ein stellvertretender Satz dafür sein. Er fordert die Schaffung der Infrastruktur als Voraussetzung für die erfolgreiche Digitalisierung und eMobilität. Recht hat er. Neu sind das und die Versäumnisse in Berlin aber nicht.  Mit Spannung erwartet wurde Michael Krause, seines Zeichens Managing Director Central Europe von Spotify. Er nutzte die Plattform, um den Streamingdienst noch einmal vorzustellen. Interessant war die Bekenntnis zum Podcast als strategisches Feld für Spotify. Diskussionswürdig das Statement „Den Musikern geht es besser als je zuvor.“ Das mag aus der Vogelperspektive stimmen, aktive Musiker, die nicht in der Top 10 mitspielen können, werden das vermutlich anders sehen. Abschließend seine Learnings für Verlage: „Auf die Geschichte kommt es an statt auf die perfekte Produktion (von Podcasts).“ Sowie: „User suchen bevorzugt bekannte Medienmarken.“ Und: Die regelmäßige Veröffentlichung für definierte Zielgruppen zu festgelegten regelmäßigen Zeiten ist sehr wichtig“ – das passt, wenn der Content Relevanz besitzt. Das vielleicht für alle bedenkenswerteste Statement: „Keiner geht über Nacht durch die Decke“ – also bitte nicht zögern. Fangen Sie jetzt (!) an, Neues anzustoßen.
Dr. Stephanie Caspar, Vorstand News media National & Technology, Axel Springer SE, machte deutlich, dass Journalismus und Technologie zusammen gehören. Da will ihr sicher keiner Widersprechen, auch wenn sich so mancher Verleger vor größeren Investitionen scheut, weil das System ja schon irgendwie noch funktioniert und die Zeitung online und haptisch erscheint. Wichtig war die Erkenntnis, über die alle im Markt aktiven Unternehmen nachdenken sollten: „Es braucht Mut zur Kannibalisierung von derzeit noch erfolgreichen Geschäftsmodellen.“ Axel Springer hat es im Bereich Digitalisierung vorgemacht – abgesehen von „Bild“ und „Die Welt“. Sicher ist der Weg in dieser Konsequenz nicht für jedes Medienhaus richtig, zumal Print mit Sicherheit nicht stirbt. Aber auch Dr. Caspar stellt kompetent klar: „Technologie beschleunigt Wachstum.“ Wir werden das beim nächsten Meeting mit Verlagshäusern gerne aufgreifen. 
Den Vortrag von Thomas H. Kaspar, Chief Product Officer, Ippen Digital und Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“ zum Thema „Made in Munich – Wie aus Ippen Digital die größte Digital-Plattform wurde“ habe ich persönlich für einen der besten gehalten. Daher stellen wir diese Inhalte gesondert vor.

Am zweiten Tag – und ich habe mit Freude bemerkt, dass die meisten Zuhörer pünktlichst wieder auf den Stühlen saßen – startete Marek Andryszak, Vorsitzender der Geschäftsführung TUI Deutschland. Ein Auszug aus seinen wichtigsten Anmerkungen: „Die Geschäftsführung fällt keine operative Entscheidung mehr – das machen die entsprechenden Führungskräfte.“ Liebe Chefs, bitte merken! Ferner ein Appell an die agile Lösungsentwicklung, die zugegeben manchmal schwer fällt: „So einfach und nicht so vollständig wie möglich!“  Erstaunlich die Positionierung als mittelständisches Unternehmen. Zitat: „Weit weg von einer Behörde.“ Auf das Thema Flugscham angesprochen, verließen ihn die Argumente. Was sollte er dazu auch sagen, außer dass TUI auf Flugzeuge setze, die weniger verbrauchen, und man mehr über Eigenanreise regeln möchte. Insgesamt will sich TUI als führende Online-Plattform sehen, die Kunden über ein Portal „die Vielfältigkeit aller Reise-Services“ bietet. Die Herausforderung, die Vertriebsstruktur vom analogen Reisebüro zum digitalen Angebot zu ändern, ist der Verlagswelt nicht unbekannt. 

Zum Schluss die Frage: Hat sich der Besuch der beBETA gelohnt? Das Ereignis lässt sich der BDZV gut bezahlen, also dürfen die Erwartungen auch entsprechend hoch sein wie die Ticketpreise. Weniger Unternehmens-PR seitens der Vortragenden, mehr Nutzwert und besser lesbare Namensschilder sind als Kritik sicher statthaft, gleichzeitig war die beBETA auch ein gutes Forum zum Netzwerken, die Nähe der Speaker zu den Besucherinnen und Besuchern beispielhaft. Sehen wir uns im kommenden Jahr?

Die Lösung:
Auf den Inhalt kommt es an.